3. tag, di: jack daniels bis nach memphis

ich wache natürlich als erste auf. eric kriegt gleich den riesenanfall, weil ich unabsichtlich seine matratze mit dem fuß „streife“ und den vorgang einen spalt beiseite schiebe um licht reinzulassen. es ist bitte 8 uhr!! das späte aufstehen meiner „kumpels“ hat aber den vorteil, dass ich mir beim duschen zeit lassen kann und das badezimmer noch nicht überflutet ist.
so gegen 10 uhr sind wir dann endlich startklar.
wieder mal ich als fahrer. frühstücken wollen wir wieder etwas später unterwegs. und wieder ist es ein waffle house. nicht weil das so verdammt gut schmeckt, aber soviel auswahl hat man on the road eben nicht. ich hab ja normalerweise keinen empfindlichen magen, bin auch erklärte fleischesserin und nicht so eine übersensible vegetarier-gesundheits-prinzessin, aber meine verdauung sagt schon lautstark „so nicht!“. all diese eier, käse, ham,…. alles ist fettig und ein klumpen im magen. und wir sind noch nicht mal in texas!!! naja, einen käsekornspitz und ein gutes müsli darf man sich halt nicht erwarten…
unser nächstes ziel: die jack daniels distillery in lynchburgh. eric und martina sind ja erklärte whiskey-liebhaber und haben können es gar nicht mehr erwarten. da lynchburgh selbst eine „dry town“ ist, wo man keinen alkohol kaufen kann (aus welchen gründen auch immer) müssen wir eine ortschaft vorher stehen bleiben und in einem liquor store den berühmten „jack daniels green label“ für eric kaufen.
weiter geht’s zur distillery. man die gegend hier getrost als pampa bezeichnen. jeder fährt einen pick up und sieht recht erdig aus. ein weißer gestrichener zaun reiht sich an den nächsten. die distillery schaut sehr einladend aus. ein neu errichtetes gebäude mit einem kleinen museum und die brennerei selbst sieht auch sehr schmuck aus.

unser guide heißt william. der kennt hier wahrscheinlich jeden winkel und ist ein wahrer whiskey-experte. wir spazieren durch alle möglichen gebäude mit großen behältern, wo alles mögliche passiert. gären, destillieren, lagern, etc. eric und martina wollen unbedingt fotos mit der jack daniels statue und allen möglichen schildern. in unserer gruppe ist auch eine österreicherin, die schon vor jahrzehnten nach amerika ausgewandert ist. sie ist so mitte 60 denk ich und mit ihrem ehemann da. reingard unterhält sich mit ihnen und wie es sich so herausstellt sind das doch die größten rassisten. die frau regt sich über die vielen einwanderer auf ohne wohl daran zu denken, dass auch sie einmal als fremde in dieses land gekomen ist. obwohl man sich ja ausmalen kann, wie die leute im inneren der usa so sind, ist man doch ziemlich schockiert. nyc ist halt doch nicht amerika.
nach der distillery reißt dieter das steuer an sich. wahrscheinlich weil er unbedingt bob dylan hören will. wir fahren durch einen wahren wolkenbruch. irgendwie ist die landschaft auf einmal sehr schön. sehr weit gezogen und geschmeidig. echtes roadtrip-feeling kommt auf. und wir haben auf einmal auch eine roadtrip-hymne gefunden: whitesnake – here we go again….
nach einem kleinen subway-snack (meiner meinung nach echt gutes „fast food“) – toasted meatball marinara, mmmh! – kommen wir abends in memphis an.
so, welches hotel nehmen? wir konsultieren unseren „lonely planet“-guide. heartbreak hotel? hört sich ja spaßig an. leider aber nichts mehr frei. wir finden ein supergünstiges motel, welches sich, nach vorhergehender zimmerinspektion, auch gar als so übel erweist: das graceland inn. und gar nicht weit weg von elvis‘ graceland. obwohl nicht weit hier andere dimensionen hat. ohne auto kommt man vom motel aus gar nirgends hin. unsere rezeptionistin empfiehlt uns fürs abendessen „marlowe’s“. ein barbeque-lokal „nicht weit“ vom motel. die haben dort auch einen eigenen abholservice mit cadillac. sowas lassen wir uns natürlich nicht zweimal vorschlagen. nachdem einem kleinen duschmarathon wartet auch schon ein babyrosafarbener cadillac in der einfahrt. drinnen tapeziert mit schwarz-weißen tiger- und leopardenmuster.
marlowe’s ist ein lokal vollgepackt mit elvis-schnickschnack, fahnen und leuchtreklamen.
wir bestellen uns – wie könnte es anders sein – spareribs. martina nicht. die ist vegetarierin, aber eine ganz pflegeleichte. für sie gibt’s salat. und schon kommen riesige fleischmassen mit bohnen und anderen beilagen. mein magen freut sich schon richtig auf diese schwerstarbeit. aber was soll’s. gut ist es ja!
nach dem essen setzen wir uns an die bar. eric und martina sind da gleich mit ein paar „einheimischen“ im gespräch. memphis ist schon tiefster süden und viele leute sind hier african americans. wir fallen also durchaus auf. und mit unserer roadtrip-story kommt man mit den leuten auch schnell zum reden. und die leute sind auch alle sehr offen und freundlich.
dieter, reingard und ich fahren schon etwas früher nach hause. natürlich mit dem cadillac. wir fragen den fahrer über elvis aus. er fährt uns zu den toren von graceland für ein foto und plaudert aus dem nähkästchen. dass er als kleiner junge elvis persönlich getroffen hat und dass der king eben der king ist.
zum abschluss fällt dem guten herrn noch was ganz besonderes ein. reingard und ich sollen sich doch bitte für ein foto auf die kühlerhaube des cadillac legen. naja, gut. wir wollen mal nicht so sein.
voller vorfreude auf graceland gehen wir mal schlafen.

6 comments

Comments are closed.